Sütterlin-Schrift lesen und schreiben

Sütterlin-Schrift, auch Kurrentschrift oder Kanzleischrift, im Volksmund auch deutsche Schrift genannt, wurde mit Unterbrechungen bis in die 50er Jahre gelehrt. Sie können heute die alten Urkunden, Notizen und Tagebucheintragungen Ihrer Familie einfach nicht lesen? Hier lernen Sie die Grundlagen der Sütterlin-Schrift zum Lesen und Schreiben. Ursula Eckelmann ist Mitglied der Sütterlinstube-Hamburg und Expertin beim Entdecken alter Familiengeheimnisse!

Dies ist ein Angebot des Volkshochschulvereins Hamburg Ost-e.V.
Anmeldung und Beratung unter Tel. 428 853 255 oder vhs-verein@web.de.
Es gelten zum Teil andere Teilnahmebedingungen.

Der Kurs findet in Farmsen, VHS-Zentrum Ost, Berner Heerweg 183, 22159 Hamburg, statt.
Kursnummer 0191RVO01, 6 Termine, 12 UStd, Entgelt 65 €.
Beginn Freitag, 07.06.2019 von 18.00 - 19.30 Uhr, Ende 12.07.2019.

Lehrtätigkeit in Hamburg

Wenn Sie als Gruppe (Verein, Geschichtswerkstatt, Ahnenforscher, Studenten o. ä.) Interesse an einem Kurs haben, dann fragen Sie gerne an, ich komme im Raum Hamburg zum Unterricht zu Ihnen. Der Kurs besteht aus 6 Terminen zu je 2 Stunden.
Anfragen bitte über das Kontaktformular an Ursula Eckelmann, unsere Schulungsbeauftragte.

Erfahrungen einer 73 jährigen „Junglehrerin”

Bei einem Gespräch in der Sütterlinstube stellten wir fest, dass es immer weniger Menschen gibt, die die alten deutschen Schriften lesen oder gar schreiben können.

So kam ich auf die Idee, ob man das Schreiben und Lesen der Sütterlinschrift nicht in der Volkshochschule unterrichten könnte. Gesagt, getan. Ich zögerte nicht lange, nahm Kontakt mit der VHS in Norderstedt auf und bekam einen Gesprächstermin, zu dem mich Herr Dr. Hohn begleitete.

Der dort zuständige Herr war sofort begeistert von der Idee und so wurde schon im nächsten Heft ein Kursus angeboten – mit der Überschrift, dass die Sütterlinschrift unterrichtet werden soll. Das Ergeb­nis war mager. Nur wenige Interessenten meldeten sich und so versuchten wir es noch ein zweites Mal. Doch wieder kam kein Kurs zustande. Ich wollte aufgeben, wurde aber überredet, es mit einem neuen Konzept noch einmal zu versuchen. In der Zwischenzeit habe ich aus Gesprächen mit anderen Leuten mitbekommen, dass viele mit dem Begriff „Sütterlin“ nichts anfangen konnten. Also versuchte ich es noch einmal.

Es wurden weniger Stunden angeboten, damit der Kurs etwas billiger wurde und nun sagten wir statt Sütterlinschrift – alle alten deutschen Schriften. Was ja auch viel eher dem Angebot entspricht.

Jetzt waren plötzlich viele Anmeldungen für den Kursus da. Es gab sogar eine Warteliste. Nun, als ich den Unterricht vorbereitete, stellte ich fest, dass ich zwar alles sehr gut lesen konnte, aber dass ich beim Schreiben gar nicht mehr so firm war. Ich übte also fleißig, schrieb alle Notizen, Einkaufszettel etc. in Sütterlinschrift und wurde so bald wieder sicher. Und doch hatte ich plötzlich Angst vor der eigenen Courage und ging  mit einem gewissen Bammel zur ersten Unterrichtsstunde. Für mich war das ja etwas ganz Neues.

Der Kursus begann mit 13 „Schülern“ zwischen etwa 25 und 60 Jahren. Ich musste, da mir nur 5 Abende zu 2 Stunden zur Verfügung standen, ziemlich flott vorangehen. Aber offensichtlich machte es allen Spaß und alle waren bei der Sache. Wenn ich merkte, dass die Konzentration nachließ, machte ich eine Pause und erzählte aus der Geschichte der deutschen Schriften, machte auf die Bedeutung aufmerksam, warum es so wichtig ist, dass die Kenntnis der Schrift erhalten bleibt und erzählte Einiges  aus der Übertragung in der Sütterlinstube.

Ich bereitete zu jeder Stunde neue Texte mit den schon erlernten Buchstaben vor, die die Teilnehmer in den Stunden lesen oder schreiben mussten. Das war manchmal sehr mühsam, weil ja zuerst die wichtigsten Buchstaben fehlten und wir haben oft über die seltsam konstru­ierten Sätze gelacht.

Am Ende des Kurses konnten alle Teilnehmer – manchmal noch etwas stockend – die Sütter­linschrift lesen und schreiben und ich hatte das Gefühl, dass alle zufrieden waren - ich auch.

Mir selbst hat es Viel Freude gemacht die alten Schriften zu unterrichten und es war für mich eine ganz neue Erfahrung als Lehrerin zu agieren.

Auf den nächsten Kursus, der bald stattfindet, freue ich mich schon und „Bammel” habe ich jetzt auch nicht mehr.

Norderstedt im Jahre 2004

Hannelore Faroß †Hannelore Faroß †